Montag, 26. September 2016

Gesundes Gewissen

„Wenn man ein recht kräftiges, von Gesundheit strotzendes Gewissen hätte, dann getraute man sich zu tun, was man am liebsten möchte.“

 
Henrik Ibsen

Sonntag, 25. September 2016

Kommt es vor

in all den fremden verpflichtungen
die dich mit falschen komplimenten umarmen
kommt es vor
dass du dich tagelang selbst vergisst
und das gesicht des morgens bereits vor der blüte unkenntlich wird
dann schließt sich eine woche
und kaum ein wort findet sich für das was in dir geschehen ist
und für das längst jedes gefühl abhanden kam


in all den fremden vorkehrungen
die dein schutzloses leben absichern wollen
kommt es vor
dass du dich lebenszeitlang verschrieben hast
der wirtschaftsweisheit einer misanthropenherde
und sich doch keine zeit stunden lässt sondern in der dämmerung vergeht
wie eines blühend hellen feldes ernte sich im schlund der herrschenden verliert
wie eines langen sommers dunkle haut ins blasse kehrt



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 24. September 2016

Durcheinander

Sich lieben
in einer Zeit in der Menschen einander töten
mit immer besseren Waffen
und einander verhungern lassen


Und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
und versuchen
nicht stumpf zu werden


Und doch
sich lieben
Sich lieben
und einander verhungern lassen
Sich lieben und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
Sich lieben
und versuchen nicht stumpf zu werden


Sich lieben
und mit der Zeit
einander töten
Und doch sich lieben
mit immer besseren Waffen



Erich Fried

Freitag, 23. September 2016

Wunder

auch die gräser
haben maß und ordnung
wenn man sie lässt



Hermann Josef Schmitz



Ein schönes Wochenende mit vielen Begegnungen in dem Wunder Natur.

Donnerstag, 22. September 2016

Am fernen Abend

Du bist so weit von mir entfernt
Am Abend zwischen deinen Freunden;
Meist ist das Dunkel über uns entsternt...
Dann leide ich wie unter Feinden.
Doch glühen die Lichte in den Wolkenzweigen,
So sind sie alle unser Eigen.


Und manchmal kommt ganz weich die Luft
Und streichelt meine und dann deine Wange.
Und deine Stimme ist es, die mich ruft,
Aus allen Stimmen gleitend, in der Halle.
- Und mich umarmen viele Himmel in dem Schalle.


Ich finde aber auch in deinen Augen keine Rast
Und keinen Trost im stummen Zuspruch deiner Reden -
Ich fiel der Liebe und sie mir zur Last.
Mein letzter Schimmer leuchtet heim den Gast,
Ein stilles Kleinod für jedweden.


Und weiß, daß du alleine lieb mich hast ... ganz alleine.
Und bin ich dir auch unbegreiflich fast,
So sagen all die weichen Worte, daß ich weine.



Else Lasker-Schüler

Mittwoch, 21. September 2016

In sich

im regenäther
fließt die stunde
himmelwärts
ich trage den blick
deiner warmen augen
und nähre mich
von deiner umarmung
im regenäther
schützen die bäume
das schattenbild



Hermann Josef Schmitz






Dienstag, 20. September 2016

In Freundschaft und Liebe

Von all dem rauschenden Geleite,
Wer harrte liebend bei mir aus?
Wer steht mir tröstend noch zur Seite
Und folgt mir bis zum finstern Haus?
Du, die du alle Wunden heilest,
Der Freundschaft leise, zarte Hand,
Des Lebens Bürden liebend teilest,
Du die ich frühe sucht´und fand.
Und du, die gern sich mit ihr gattet,
Wie sie der Seele Sturm beschwört,
Beschäftigung, die nie ermattet,
die langsam schafft, doch nie zerstört,
Die zu dem Bau der Ewigkeiten
Zwar Sandkorn nur für Sandkorn reicht,
Doch von der großen Schuld der Zeiten
Minuten, Tage, Jahre streicht.



Friedrich Schiller



Und wieder hat uns der Park in Oeschberg gelockt.