Montag, 24. April 2017

Bücher lesen

Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten,
aus den Stuben, über die Sterne.



Jean Paul



Mit einer kleinen Verspätung zum Welttag des Buches am 23. April 2017.

Sonntag, 23. April 2017

So ziehen die Stunden

so ziehen die stunden
einer klagt über die welt
und kann nicht aufhören zu weinen
ein anderer verschenkt seine liebe
den menschen mit worten und händen
ein weiterer steht still
atmet und wächst in diesem sein
so ziehen die stunden



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 22. April 2017

Abendregen

Langsam und schimmernd fiel ein Regen,
In den die Abendsonne schien;
Der Wandrer schritt auf schmalen Wegen
Mit düstrer Seele drunter hin.


Er sah die großen Tropfen blinken
Im Fallen durch den goldnen Strahl;
Er fühlt' es kühl aufs Haupt ihm sinken
Und sprach mit schauernd süßer Qual:


»Nun weiß ich, dass ein Regenbogen
Sich hoch um meine Stirne zieht,
Den auf dem Pfad, so ich gezogen,
Die heitre Ferne spielen sieht.


Und die mir hier am nächsten stehen
Und wer mich wohl zu kennen meint,
Sie können selber doch nicht sehen,
Wie er versöhnend ob mir scheint.


So wird, wenn andre Tage kamen,
Die sonnig auf dies Heute sehn,
Um meinen fernen blassen Namen
Des Friedens heller Bogen stehn.«



Gottfried Keller

Freitag, 21. April 2017

Bleiben für bald

frühling übt sich noch
während du losgelöst vom stundengeflecht
hinüber gleitest in ein dämmern
die augenlider werden leise
die lippen verlieren sich im atmen
ich schaue dich und schaue und schaue
und nehme diesen augenblick
für die tage in der ferne ohne dich
und gleite hinweg in ein dämmern
in ein träumen in ein bleiben für bald



Hermann Josef Schmitz



Auf ein Wochenende, in dem der Frühling fertig mit Üben ist und viel Wärme durch die Stunden blüht.

Donnerstag, 20. April 2017

Deinethalben

Die Sonne scheint für dich –
deinethalben,
und wenn sie müde wird,
fängt der Mond an,
und dann werden
die Sterne angezündet.



Søren Kierkegaard

Mittwoch, 19. April 2017

Zuhören

für einen augenblick alles abstellen
das murmeln des wassers
das wispern der bäume
hinter den wäldern die straßen räumen
und den himmeln stille befehlen
für einen augenblick alles abstellen
die schlagzeilen der welt
und den lärm der blauen bilder
selbst die unruhigen träume schließen
und das flüsternde wort um einhalt bitten
für einen augenblick alles abstellen
und dem wachsen des grases zuhören



Hermann Josef Schmitz


Ein wunderbares Geschenk zum Hören (und Mitsingen) und ein sehr lesenswertes Buch von Dörte Hansen hatten über Ostern viel Platz in mir.



Dienstag, 18. April 2017

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.


Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.


Ich wollt es brechen,
Da sagt' es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?


Ich grubs mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ichs
Am hübschen Haus.


Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.



Johann Wolfgang von Goethe

Montag, 17. April 2017

Baselbiet, April

diese kurze zeit im april
wenn die kirschbäume
zum ersten mal wieder blühen
ergreift ihn die erinnerung
an die weite hügellandschaft
an dieses schäumende blütenfest
und hinter den gedanken
geht ein leuchten auf
ein weiter horizont aus grün und weiß
und er nimmt ihre hand
wortlos und fest nimmt er sie
und bleibt im stillen staunen
über das wiederkehrende wunder
aus blühen reifen und vergehen



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 16. April 2017

Ostern am Meer

Es war daheim auf unserm Meeresdeich.
Ich ließ den Blick am Horizonte gleiten.
Zu mir herüber scholl verheißungsreich
mit vollem Klang das Osterglockenläuten.
Wie brennend Silber funkelte das Meer.
Die Inseln schwammen auf dem hohen Spiegel,
die Möwen schossen blendend hin und her,
eintauchend in die Flut die weißen Flügel.
In tiefer Erde bis zum Deichesrand
war sammetgrün die Wiese aufgegangen.
Der Frühling zog prophetisch über Land.
Die Lerchen jauchzten, und die Knospen sprangen.
Entfesselt ist die urgewaltge Kraft.
Die Erde quillt, die jungen Säfte tropfen.
Und alles treibt, und alles webt und schafft.
Des Lebens vollste Pulse hör ich klopfen.



Theodor Storm

Ich wünsche Euch ein schönes und bereicherndes Osterfest, Zeit zum Genießen, Zeit zum Ausruhen und Sein und viele gelungene Überraschungen.

Samstag, 15. April 2017

Jetzt gilt es

hier formen die blüten ihr eigenes gitter
sie stellen sich dem wind in den weg
legen eine frische spur über die grüne weite
verfängt sich das summen von flügelvölkern
in den winzigen kelchen des frühlings
jetzt gilt es die helle luft zu trinken
vom weg abzukommen
neue atemworte zu erfinden
ein eigenes blütengitter zu formen
in dem sich unsere liebe aufs neue verfangen darf



Hermann Josef Schmitz


Wir sind mal wieder im Park der Kantonalen Gartenbauschule Oeschberg gewesen, der immer einen Besuch wert ist: