Dienstag, 17. Januar 2017

Weiterreise

dir gegenüber sitzen
und in deinen augen bleiben wie von anbeginn
die landschaften streifen
die sich wiederholen und dennoch wunder bleiben
uns neu hinein begeben
in die augen die worte die landschaften
ein neues buch aufschlagen
für tausende von tagen für tausende von nächten
und dir gegenüber sitzen
und an manchen tagen nicht sicher sein
um das wunder der zeit das du mir geworden bist
und an manchen tagen nicht sicher sein wollen
weil das wunder zu kostbar geblieben ist
und an allen tagen sicher sein im wissen
um das unbedingte deiner liebe
und die verführung zum leben
dir gegenüber sitzen
und viele momente streifen im blick deiner augen
uns in eine unbekannte landschaft von tagen und nächten begeben
all das was uns befreit hat nie selbstverständlich werden lassen
und wieder beginnen an jedem tag
uns freuen in allem was uns geschenkt ist
und in uns bleiben wie ein namenloses schiff im hafen
die um seine weiterreise weiß



                                                                                  für Annemarie


Hermann Josef Schmitz


10 gemeinsame Jahre – wie wunderbar. Ich danke meiner geliebten Frau für diese erfüllte und lebensdichte Zeit, für alles, was ich durch Dich lernen durfte und darf und für das innige Sein. Und am Schönsten ist die unbedingte Liebe von Dir. Ich freue mich auf alles, was kommt und auf jeden neuen Tag.

Du bist die, die ich meine und Du bleibst mir immer wieder Verführung zum Leben ...



Montag, 16. Januar 2017

Kühl und hart ist der heutige Tag

Kühl und hart ist der heutige Tag.
Die Wolken erstarren.
Die Winde sind zerrende Taue.
Die Menschen erstarren.
Die Schritte klingen metallen
Auf erzenen Steinen,
Und die Augen schauen
Weite weiße Seen.


In dem alten Städtchen stehn
Kleine helle Weihnachtshäuschen,
Ihre bunte Scheiben sehn
Auf das schneeverwehte Plätzchen.
Auf dem Mondlichtplatze geht
Still ein Mann im Schnee fürbaß,
Seinen großen Schatten weht
Der Wind die Häuschen hinauf.


Menschen, die über dunkle Brücken gehn,
vorüber an Heiligen
mit matten Lichtlein.


Wolken, die über grauen Himmel ziehn
vorüber an Kirchen
mit verdämmernden Türmen.
Einer, der an der Quaderbrüstung lehnt
und in das Abendwasser schaut,
die Hände auf alten Steinen.



Franz Kafka



Unser gestriger Tag war hingegen leuchtend und einer der Wintertage, die ich gerne mag.















Sonntag, 15. Januar 2017

Im Januar

gotteshäusern gleich in ihrer stille
stehen schneebehaubt die tiefen wälder
und in der weite langer wege
bewegt sich einzig winterkalte luft
kein mensch zu sehen und keines vogels stimme
als wäre alles abgestellt und hingelegt
selbst wasserstreifen in der wälder mitte
scheinen festgeankert wie ein schiff im hafentor
jetzt hat das licht sich zur bewährung aufgehellt
die tage werden in der unbeschriebenen hülle länger
und voller demut schaust du bis zum horizont
dort einer kargen landschaft dünner grat
berührt die haut des himmels voller blütenschnee
der dich betört und immer wieder staunen lässt



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 14. Januar 2017

Oper

Im zweiten Akt wo denn sonst
von Tristan und Isolde zog
ich dir die Schuh aus und dann
was Not tat. Ich flog


dir das Hosenbein rauf auf
klang der Akkord und so fort
erhob sich Applaus unterm
Bauch gerieten wir wort


los ins Spiel schlugen
mit Engelszungen scharfe
Töne an. Trugen


auf Lippenspitzen uns weich
durchs Nadelöhr ins Himmelsreich.



Ulla Hahn




Und weitere anregend-sinnlich-schöne Gedichte gibt es hier:






Mal wieder eine der ganz alten Live-CDs ausgegraben, die einen beim Autofahren beflügeln.