Sonntag, 28. August 2016

An der Lichtklippe

an der lichtklippe
wollen wir uns wieder und wieder begegnen
wir wollen uns aufmachen
die schatten als ruhige begleiter
aber immer dem licht folgen
das an der klippe die flüsse umarmt
an der lichtklippe
wollen wir uns wieder und wieder begegnen
wir wollen uns antworten
das versprechen als mantra eines gemeinsamen seins
und immer dem himmel folgen
der unsere seele wie eine landschaft bewahrt
an der lichtklippe
wollen wir uns wieder und wieder begegnen
wir wollen uns lieben
ohne gepäck und ohne gewicht
im luftzimmer am flüchtigen fenster
unbegrenzt und mitten in uns  
an der lichtklippe
wollen wir uns wieder und wieder begegnen
wir wollen uns lassen
mit dem blick auf die freien flüge der vögel
aber immer der liebe folgen
die über alle worte hinaus alles vermag
an der lichtklippe
wollen wir uns wieder und wieder begegnen




                                                                                  für Sabrina & Thomas



Hermann Josef Schmitz



Samstag, 27. August 2016

Sprachgitter

Augenrund zwischen den Stäben.


Flimmertier Lid
rudert nach oben,
gibt einen Blick frei.


Iris, Schwimmerin, traumlos und trüb:
der Himmel, herzgrau, muß nah sein.



Schräg, in der eisernen Tülle,
der blakende Span.
Am Lichtsinn
errätst du die Seele.



(Wär ich wie du. Wärst du wie ich.
Standen wir nicht
unter
einem
Passat?
Wir sind Fremde.)



Die Fliesen. Darauf,
dicht beieinander, die beiden
herzgrauen Lachen:
zwei
Mundvoll Schweigen.


Paul Celan




Carolin Emcke lese ich schon längere Zeit in der SZ (wo sie leider gerade pausiert). "Über das Begehren" ist ein sehr einfühlsames, berührendes, nachdenkliches und vor allem gutes Buch über eines der persönlichsten Gefühle.



Freitag, 26. August 2016

Unschlüssig

etwas von der kindheit
aus den erinnerungen bergen
vergangenen wegen folgend
die geblieben sind
und noch nicht wissen
wo ein platz bleibt
für die risse und brüche
an denen du später
gefallen und gewachsen bist
hinterrücks in eine zeit sinken
die anders war
als die fremden verherrlichungen
und nachts die tür schließen
noch unschlüssig sein
ob man dem chronisten
der die gesichter nur unkenntlich beschreibt
danken soll oder nicht



Hermann Josef Schmitz

Auf jeden Fall möge das Wochenende ein guter Platz sein um im Jetzt zu sein. Genießt den Sommer mit all dem schönen Licht des späten August.

Donnerstag, 25. August 2016

Wie eine Welle

Wie eine Welle, die vom Schaum gekränzt
Aus blauer Flut sich voll Verlangen reckt
Und müd und schön im großen Meer verglänzt -


Wie eine Wolke, die im leisen Wind
Hinsegelnd aller Pilger Sehnsucht weckt
Und blaß und silbern in den Tag verrinnt -


Und wie ein Lied am heißen Staßenrand
Fremdtönig klingt mit wunderlichen Reim
Und dir das Herz entführt weit über Land -


So weht mein Leben flüchtig durch die Zeit,
Ist bald vertönt und mündet doch geheim
Ins Reich der Sehnsucht und der Ewigkeit.


Hermann Hesse

Ein Kauf, der sich für mich auf jeden Fall gelohnt hat ;-)




Mittwoch, 24. August 2016

Es gibt sie

es gibt sie
die schönen auswege
an denen du nichts bereust
und die beleidigten schatten
welche im dunkeln vergehen
wie ungesagte worte



Hermann Josef Schmitz