Donnerstag, 31. Januar 2013

Was geschah?

Was geschah? Der Stein trat aus dem Berge.
Wer erwachte? Du und ich.
Sprache, Sprache. Mit-Stern. Neben-Erde.
Ärmer. Offen. Heimatlich.


Wohin gings? Gen Unverklungen.
Mit dem Stein gings, mit uns zwein.
Herz und Herz. Zu schwer befunden.
Schwerer werden. Leichter sein.



Paul Celan



Und noch ein Ausstellungstipp:

“erdig”
Gemeinschaftsausstellung XELLES
in der VHS Neckarsulm
Vernissage am 01.02.2013 19:00 Uhr
Ausstellung vom 02.02. bis 12.04.2013 während den Öffnungszeiten der VHS

u.a. mit unserer lieben Freundin Petra Grupp, die Bilder und Papierreliefs ausstellt.






Mittwoch, 30. Januar 2013

Das bleibt

das fenster bleibt leer
und hinter den schneegrauen bäumen
der vergebliche nachmittag
und wenn ich gehen muss
das pulsieren meines herzschlags
in der mitte deiner dunkelkammer



Hermann Josef Schmitz


Wie passend zu einem Geburtstag. Grüße gehen heute vor allem in den Westerwald zu meinem lieben Freund, aber auch nach Hermringen in der Schweiz und nach Singapur. Genießt den Tag.

Dienstag, 29. Januar 2013

Vergebens

wir räumen die stühle
und manche die sessel
wir gehen hinaus
während manche fliegen
und wieder anderen
gibt man noch geld hinterher
das nennen sie abfinden
ein gefährliches spiel
dem kein auffinden voran ging
bis wieder einer die bühne betritt
sich äußert
die karten neu mischt
bis die flughöhe erreicht sein will
gibt man noch geld hinterher
das nennen sie motivieren
und wüssten sie es nicht besser
würde sie daran glauben
bis zum nächsten mal
wenn wir die stühle räumen
und sie vergebens versuchen
jemandens ehre zu retten



Hermann Josef Schmitz



Montag, 28. Januar 2013

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.


Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.


Es spielten Sternenhände vier
- Die Mondfrau sang im Boote –
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.


Zerbrochen ist die Klaviatur.
Ich beweine die blaue Tote.


Ach liebe Engel öffnet mir
- Ich aß vom bitteren Brote –
Mir lebend schon die Himmelstür –
Auch wider dem Verbote.



Else Lasker-Schüler

Samstag, 26. Januar 2013

Risse

aufgeschmerztes blau
an der ungeschärften klinge
des dösenden nachmittags
leise die dunklen übergänge
ein monolithischer wald
entlässt stillgeschriebene entwürfe
aufgerissen die narbe
an der gelbrosigen stelle



Hermann Josef Schmitz

Freitag, 25. Januar 2013

Fließend

Eines ist nur wahr neben dem anderen, und ich denke immer, die Welt ist geräumig genug vorgesehen, um alles zu erfassen: das, was war, muß nicht von der Stelle geräumt, nur langsam verwandelt werden, so wie das, was sein wird, nicht von den Himmeln fällt im letzten Augenblick, sondern immer schon neben uns, um uns und in unseren Herzen sich aufhält, auf den Wink wartend, der es ins Sichtbare ruft.


Rainer Maria Rilke



Heute wird mein Sohn Christian 23. Ein spannendes Jahr hast Du hinter Dir und das neue Lebensjahr soll Dir so gut gelingen wie das vergangene. Viel Glück und Gesundheit, viel Behütung und Schutz. Und genieße die Freiheit dieser Zeit. Ich bin stolz auf Dich und wünsche Dir von Herzen alles Liebe.




Donnerstag, 24. Januar 2013

Persönlich

den himmel auswringen
und den tränen
der wolkenkratzer
ein gesicht geben



Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 23. Januar 2013

Hinaus

„Es trieb mich hinaus, das wahre Gesicht der Welt kennenzulernen. Unser gutes, gesättigtes Leben nahm vielen den Blick für die ungeheure Not außerhalb unserer Grenzen.“

Werner Bischof

Dienstag, 22. Januar 2013

Ausklang

die überladenen schiffe löschen
an späten abenden
wenn dich niemand mehr erwartet
in den läden der langeweile
dich hinreißen lassen
von der beiläufigkeit der stille
in dieser tonlosen glücklichen stunde



Hermann Josef Schmitz



Montag, 21. Januar 2013

Nur wer die Sehnsucht kennt

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
nach jener Seite.
Ach! Der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß was ich leide!



Johann Wolfgang von Goethe

 

Sonntag, 20. Januar 2013

Wurzelnde Stille


vorübergehend
einen schneegarten anlegen
dem wachsen zuschauen
der wurzelnden stille
unscheinbar in seiner vielfalt
mit frischen blüten aus unschuld
bis zum vergehen daran erfreuen
kommenden und gehenden spuren
weit unter der erde legen sich
unsichtbar vorübergehend ungewiss



Hermann Josef Schmitz


Auf dieses Buch freue ich mich schon sehr:

 
 
 






Samstag, 19. Januar 2013

Unvergesslich II


die brüchigkeit der worte über das vergehen über den unschuldigen tod ein anruf zur mittagszeit dessen klarheit vor jeglicher aussage stand die fassungslosigkeit die erinnerung an die art deiner bewegungen das bewusstsein für deine haltungen und einstellungen die beschreibung der unterschiedlichkeit nachts auf einer treppe und ein schmerz der sich nicht mehrt und nicht mindert und die lücke die nach dieser langen zeit bleibt und ein verlust den ich nicht verschmerze


Hermann Josef Schmitz




Freitag, 18. Januar 2013

Unvergesslich I

es gibt diese unvergesslichen augenblicke die so bleiben und sich nicht der erinnerung aufs neue stellen müssen die ihren farben wörtern und ihren himmeln nichts mehr als die wahrheit schulden und sich in sich bewahren es gibt diese unvergesslichen augenblicke die nicht schöner gemacht werden müssen und nicht verblassen die sich tief verankert haben in unseren herzhäfen


Hermann Josef Schmitz



Ich wünsche Euch ein schönes, rutschfreies und leuchtendes Wochenende.



Donnerstag, 17. Januar 2013

Bei Dir wohnen

ein revier anlegen
für gemeinsame verstecke
dort wo die liebesworte
wie grünes moos glänzen
wenn der winter nackt bleibt
einen unterschlupf bauen
fern der gesättigten nebel
dort wo ich in dir wohnen darf
wimper an wimper
hand in hand
die viel zu langen nächte
streicheln wie einen vogel
vor dem ersten flug



                                                           für Annemarie



Hermann Josef Schmitz

Danke für ein weiteres wunderbares gemeinsames Jahr voller Zuneigung und Liebe. Ich freue mich auf das, was kommt und danke Dir für alles. Du bist Verführung zum Leben …

Dienstag, 15. Januar 2013

Einem Freund gewünscht

in offene arme
sollen sterne fallen
aus gischtenden wogen
feingewebte träume
zeitwandeln
hier und morgen
frei jedes vorsatzes
felstief gegründet
stark und winderprobt
ein suchend gefundenes herz
die wolken schneeig
der wind seewärts
perlen in blau und grün


dies alles für dich und meer



Isabella Kramer

Montag, 14. Januar 2013

Eine große Bedeutung

tonlos fällt schnee
auf die hungrigen augen
entsteht aus leeren händen
eine umarmung
eine große bedeutung
bleibt nichts vom dunkel
der eingebauten widrigkeiten



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 13. Januar 2013

Dreifach

Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt verflogen,
Ewig still ist die Vergangenheit.



Friedrich Schiller













Es hat Schnee, rund ums Haus.


Samstag, 12. Januar 2013

Glätten

ich träume von schnee
der sich als löschpapier
über das satte grau
überregneter wintertage legt
ich träume von himmeln
die als blaugewebtes lichtkleid
die zornige stirn
ungelesener landschaften glätten



Hermann Josef Schmitz


Freitag, 11. Januar 2013

Immer wieder

Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen,
und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen
und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die andern
enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus
unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder
zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.



Rainer Maria Rilke


Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende … vielleicht hüllt Schnee das übersatte Grau ein.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Hoffnung

das entfernte licht
ein schatten
auf dem wasserspiegel
überflügelte töne
abgetauchte spuren
eisenblau
ein gerüst
für kommendes grün



Hermann Josef Schmitz


Mittwoch, 9. Januar 2013

vincent will meer




Sehenswert, heute um 20:15 Uhr auf Sat1, auch wenn man mit den Werbepausen leben muss.

Weitere Infos hier.

Dienstag, 8. Januar 2013

Aber das kann ich

wenn du nicht da bist
durchwandere ich sternenstraßen
in weiten strömen
suche ich nach deinen federworten
in alle deine farben
kleide ich die lebenssprachen
durch alle meere reise ich
den himmel lese ich dann anders
zwischen allen wolken
um dir nah zu sein



Hermann Josef Schmitz



Burgäschisee










 
 



Montag, 7. Januar 2013

Abschied


das licht steht tief
und mit ihm
geht des stillen tages
letzte stunde

vom abschied flüstern
schon die leeren bäume

vom abschied
den aufzuhalten niemand kann
doch eine hand
hält eine andere
wenn keiner spricht
zu schwer
sind hinter tränenaugenpaaren
die gedanken
sich zueinander beugen
im tiefen licht
der letzten stunde
stillen tages
hält meine hand
die deine



Hermann Josef Schmitz



Sonntag, 6. Januar 2013

Die Flüsse schlafen nie


die flüsse schlafen nie
selbst ihre spiegelhaut
verändert sich
wie die schrift der fische
die dir unlesbar
das flüstern der steine
ihr seufzen
wenn wieder
und wieder
unter weit
oben liegender
spiegelhaut
ein strudel entgleitet
sich räuspert
fast entschuldigend
sich einfügt
in das grosse meer
am ende
wo alles beginnt
eine unbestimmte wolke
sich aufmacht
entgleitet
sich verliert
in der weite
die flüsse schlafen nie
und auf ihrer spiegelhaut
die wolken wandern weiter



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 5. Januar 2013

Vom Fluch und Segen der schlaflosen Nächte

neben dir
sinkt die drehzahl
des atems
das herz
bekommt oberwasser
eine leise welle
des zugeneigten meeres
in der nacht
kommend
und
kommend
unbeschreiblich
unbedingt
masslos
liebe



Hermann Josef Schmitz



Ein bisschen mehr hier über die Lueg.

Freitag, 4. Januar 2013

Draussen unbewohntes Licht


auf der suche nach der verlorenen bedeutung vorsätze ohne mindesthaltbarkeitsdatum das jahr bekommt erste konturen die geduld hat noch keine grenzen alles will exklusiv geschlossene gesellschaften trassiert von der gewöhnlichkeit wiederkehrender ereignisse ein heikles band eine glatte fassade aus glas in dem die sprache ohne willkür die angeschraubten worte die nur nachts in einem leuchtenden aquarium ohne nennenswerte ausschweifungen abschweifen einer zupft den bass in den stunden wenn sich ein schleier um den blassen mond gelegt hat bis du schläfst die sterne eine silverline draussen unbewohntes licht


Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 3. Januar 2013

Feuerschnee

leise
gehst du
leise
gehst du
in meine gedanken
ich spüre es
am zittern
meines herzens
an den tränen
die die fenster
meiner seele hellen
leise
gehst du
deine worte
brennen
feuer
schnee
fällt



Hermann Josef Schmitz


„Feuerschnee“ ist eines der ersten Gedichte, das ich für meine Frau geschrieben habe …

Luitgard Möschle hat mich gefragt, ob sie es in einer anderen Form verwenden dürfe. Es ist ihr wunderbar gelungen und ich freue mich an dem Ergebnis.


Großformatig sieht man es genauer, wenn man es im Bernina-Blog anschaut.
Vielen Dank noch mal für diese schöne Symbiose.

Dienstag, 1. Januar 2013

Zutaten



ein faden luft
ein frischer unbegrenzter weg
dem leben zugewandte sätze
ein fenster voller sterne
ein ungeschmirgelter verdacht
und keine vorsätze
ein fein gesäumtes meer
ein ungefalztes herz
der liebe zugewandte hände
ein faden luft


Hermann Josef Schmitz


Willkommen in 2013 !!!
Wir freuen uns auf das, was uns dieses Jahr schenkt ... an Erfahrungen, Erlebnissen, Begegnungen mit Euch, in Perlen, Bildern und in Worten ... es soll ein wunderbares Jahr werden.