Montag, 31. März 2014

Der Spiegel

Wie viele Bilder sind in dir gefangen,
Du hoher, alter, goldgerahmter Spiegel.
Wie viele Lächeln blieben in dir hangen.
Wie viele Eitelkeiten schweigt dein Siegel.


O tausend Blicke, die in dir versunken.
O Hände, Leiber! die in dir verborgen.
O all die Ängste, die du eingetrunken
Von schönen Frauen, die sich alternd sorgen.


Ich ahne dich ganz angefüllt mit Dingen.
Ich fürchte oft, dein Glas müsse zerspringen
Vom ewigen Verhalten deiner Träume.
- Doch du bist tiefer als die tiefsten Räume.



Franziska Stoecklin




Die Marktsaison startet wieder – Ihr trefft uns in Jegenstorf im schönen Schloss am Samstag und Sonntag persönlich. Wir freuen uns.



Sonntag, 30. März 2014

Festsetzen

es war die aufgebrochene erde
die dich immer wieder staunen ließ
du folgtest den verläufen der aufgelichteten tage
mal schneite es noch im märz
das ließ sich dann nicht ändern
du bemühtest keine falschen erklärungen
und wenn dann hattest du deine eigenen ratschläge
ohne anstrengung kam der tag von selbst
an dem sich die saat öffnete
knospen ihre behausungen lüfteten
und das flattern der blauen flaggen
die schwermütigkeit des winters vertrieb
bald würden die schwalben
ohne widerspruch ihre nester bauen
scheunen und ställe auslüften
und sich die schönheit des augenblicks
zwischen zwei zigarettenzügen festsetzen




                                                           für P.



Hermann Josef Schmitz



Samstag, 29. März 2014

Sehnsucht

Sterne und Blumen
Blicke Atem
Töne!
Durch die Räume ziehen
ein Ton der Liebe.
Sehnsucht!
Mit verwandten Tönen
sich vermählen,
glühen,
nie verhallen
und die Blumen
und die Sterne lieben.
Gegenliebe!
Sehnsucht!



Adalbert von Chamisso

Freitag, 28. März 2014

Von hier nach dort

deine augen
eine armbreit entfernt
tief der see deiner pupillen
deine augen
ein tiefer spiegel aus glück
hier könnte die zeit stehenbleiben
aber unaufhörlich drängt
ferne fremde durch die tür
und öffnet uns die wartesäle
ein letztes mal halte ich
deinen kopf in meiner hand
und mein herz macht sich
wieder auf die reise



Hermann Josef Schmitz




Viel Freude an diesem Wochenende in allem, was Euch wichtig ist.

Donnerstag, 27. März 2014

Linguistik

Du musst mit dem Obstbaum reden.


Erfinde eine neue Sprache,
die Kirschenblütensprache,
Apfelblütenworte,
rosa und weisse Worte,
die der Wind
lautlos
davonträgt.


Vertraue dich dem Obstbaum an
wenn dir ein Unrecht geschieht.


Lerne zu schweigen
in der rosa
und weissen Sprache.



Hilde Domin


Und einen neuen Autor habe ich entdeckt: Ralf Rothmann, hier mit sehr eindrücklichen Kurzgeschichten, direkt aus dem Leben.