Sonntag, 31. Januar 2016

Verloren

schneegärten ein leises vorübergehendes wachsen und eine leise vorübergehende stille unter den schneegärten und blüten von seltener schönheit niemand kennt ihre haltbarkeit und blüten in üppiger häufigkeit und ein großes buch mit verlorenen worten aus allen ländern mit den gesängen der vögel und fische und mit den hilfeschreien der hungernden aus den städten aus eis


Hermann Josef Schmitz

Samstag, 30. Januar 2016

Das neue Lebensjahr

Was würdet Ihr tun,
wenn Ihr ein neues Lebensjahr regieren könntet?
Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
die ersten Nächte schlaflos verbringen
und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.
Dann – hoffentlich – aber laut lachen
und endlich den lieben Gott abends leise
bitten, doch wieder auf seine Weise
das neue Jahr göttlich selber zu machen.



Joachim Ringelnatz



Geburtstagsgrüße gehen heute vor allem in den Westerwald zu meinem lieben Freund, aber auch nach Hermrigen in der Schweiz und nach Singapur. Genießt den Tag.

Freitag, 29. Januar 2016

Vorahnung


zwischen städten aus schnee
fließt leise das wasser der unbekannten flüsse
an ihren rändern blühen eisblumen
unter scheinbar leblosen frostdächern
in zeitkapseln entzünden sich namenlose seerosen
und ahnen um ihr aufgehen in berauschender fülle



Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 28. Januar 2016

Heimlich zur Nacht

Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen.


Und ich bin wach – eine lauschende Blume
Im summenden Laub.


Unsere Lippen wollen Honig bereiten,
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.


An den seeligen Glanz deines Leibes
zündet mein Herz seine Himmel an –


Alle meine Träume hängen an deinem Golde,
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.



Else Lasker-Schüler

Mittwoch, 27. Januar 2016

Verbindung

du schliefst hinter dem giebelfenster
in einem sonnengeviert
legte ich einen luftschacht
bis zum grund deines herzens



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 26. Januar 2016

Dä Herrjott meint et joot met mir

Schloofende Städte, immer noch hellwach.
Autobahne, Tankstelle un Trucks.
Leuchtreklame, morjens fröh öm Drei.
Jestern ess immer noch nit vorbei.
Un irjendein Ohrwurm kriecht immer noch durchs Hirn.
Die tausendunderste Nightlinernacht auf Adrenalin.



Noh nem Daach, dä sich ahnjeföhlt hätt wie en Woch
un 'ner Show met 'ner Band, die immer noch rockt,
weed mir schrecklicht bewußt: Ich benn priviligiert,
Dä Herrjott meint et joot met mir.



Schloofende Städte, ich denk drövver noh,
ob Helmstedt domohls schon Ostzone wohr.
Veedeljohrhundert. Wat hatt dä jesaat?
"Blühende Landschaft." Wat hammer jelaach!
Un dann fällt et mir enn, wann ich he zom eezte Mohl lang.
Veezisch Johr muss dat hersinn un ich fand alles nur krank.
Gottseidank vorbei!



Noh nem Daach, dä sich ahnjeföhlt hätt wie en Woch
un 'ner Show met 'ner Band, die immer noch rockt,
weed mir schrecklicht bewußt: Ich benn priviligiert,
Dä Herrjott meint et joot met mir.
Nit nur hück, "Most of the time".
Ich hatt rejelmäßig Schwein.
Ei'ntlich kann ich nix dofür,
dä Herrjott meint et joot met mir.



Wolfgang Niedecken




Und zu hören: hier

Montag, 25. Januar 2016

Wie ein Versprechen

häuser schliefen
im späten grau
des kommenden morgens
unter suchenden füßen
räusperte sich schnee
gleich der stimme
von brüchigem papier
unbeschrieben glatt
lag die weite landschaft
wie ein versprechen
vor deinem auge
die luft ein gereinigtes laken
das um seine bestimmung wusste



Hermann Josef Schmitz


Heute wird mein lieber Sohn Christian 26.  Auf das Dir im neuen Lebensjahr viel gelinge, Gutes widerfahre, Gesundheit Dein bester Begleiter ist und Du immer einen starken Glauben an Dich selbst bewahrst. Möge das neue Lebensjahr Dir liebe Menschen an Deine Seite stellen, die Dich begleiten und möge es Dich behüten.

Ich bin stolz auf Dich und wünsche Dir von Herzen viel Freude, immer den richtigen Sound und alles Liebe und Gute.