Donnerstag, 30. Juni 2016

Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heißen Hand ...


Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Ähren?
Es geht der Sommer über's Land ...



Thekla Lingen

Mittwoch, 29. Juni 2016

Allein mit mir

allein mit mir
und nur die worte
die sich in mich fühlen
verschwommen
manches bild und
mancher augenblick
doch ohne dich
die du mit fingern
durch die worte
wanderst
im dunkel
einer aufgebrachten nacht
den atem
aus dem stoff
der leisen sterne
webst
allein mit mir
und all der
unbekannten sehnsucht
die nur in deinen
händen sich erfüllt
wie eines stillen
brunnens ausgang



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 28. Juni 2016

Neu bestimmen

„Woran glaubst du?
Daran: daß die Gewichte aller Dinge
neu bestimmt werden müssen.“



Friedrich Nietzsche

Montag, 27. Juni 2016

Sich selbst sein

so tragen sie den rucksack
durch die vorgefertigten tage
sie tragen schwer an allem
was jetzt und später nicht vollkommen wird
sie sind so lange schon geprägt
von all den tiefen mustern früher zeit
und sehnen sich so sehr nach unberührten tagen
wo die verpflichtung sich einmal nicht erheben will
in denen voller leichtigkeit
ein unbeschwerter herzschlag schwingt
so tragen sie gepäck ganz schwer
aus scham und unvollkommenheit
durch viele tage die von anderen gesteuert sind
und wären einzig unvollständig nur darin
sich anzunehmen und zu lieben
mit all den unzulänglichkeiten
und mit dem großen weiten herz
das jeden tag auf neue versuchen will
sich selbst zu sein



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 26. Juni 2016

Anerkannt

»Sie waren mit einer neuen treibenden Hoffnung gekommen, zu wachsen und aufzusteigen und für sich ein Leben herauszuhauen, indem sie sich nicht nur als Menschen durchsetzen, sondern auch als Menschen anerkannt sein wollen, ein Leben nicht nur in wirtschaftlichem Wohlergehen, sondern auch in gesellschaftlicher Anerkennung und Selbstachtung.«


John Truslow Adams




Und in dieser Woche gelesen; ein berührendes Buch von Arno Geiger über das Erwachsenwerden:





Nach einigen Malen des genaueren Hinhörens gefällt mir die letztjährig erschienene und neu erworbene CD von JJ Grey & Mofro zunehmend gut, vor allem "Brave Lil' Fighter", auf dem die Bläser ganz toll zur Geltung kommen und einmal mehr Erinnerungen an das wunderbare Blue Balls Konzert in Luzern 2015 aufleben lassen.






Samstag, 25. Juni 2016

Will keine Blumen mehr

Die Sommerrosen blühen
Und duften um mich her;
Ich seh' sie all' verglühen,
Will keine Blumen mehr.


Der Bruder mein that ziehen
Mit Königs stolzem Heer,
Läßt einsam mich verblühen,
Will keine Blumen mehr.


Die blanken Waffen sprühen
Weit Funken um ihn her;
Das Herz thut ihm erglühen,
Will keine Blumen mehr.


Und Silbersterne blühen
Um Helm und Brustschild her,
Die blitzend ihn umziehen,
Will keine Blumen mehr.


Die Sommerrosen glühen
Und duften all' so sehr;
Ich seh' sie all' verblühen,
Will keine Blumen mehr.


Luise Hensel

Freitag, 24. Juni 2016

Für immer

aufgewachsen
mit flüsternden bäumen
durch die jahreszeiten
gegangen und geblieben
zwischen tagen
und nächten
groß geworden
mit aufrechtem gang
und einem klaren wort
das glas geliebt
und viel mehr
das leben geliebt
mit seinen vielen gesichtern
sich hingegeben
dem größten geschenk
der liebe des lebens
altäre bereitet
und auf den lichtungen
der wälder gestanden
dem wachsen
der ringe zugesehen
und weitergegangen
mit träumen und zielen
ohne gepäck ganz leise
geworden im vergehen
mit den bäumen
gewachsen
bis in den himmel
ins blau gestiegen
auf der luftleiter
bis hinter die sterne
und dort geblieben
für immer


                                                                              für J.


Hermann Josef Schmitz


Donnerstag, 23. Juni 2016

Es sind die Augen

zwischen dem erinnern
die eigene veränderung erkennen
es sind die augen
die sich angenähert haben
es sind die augen
die die liebe in den gärten nähren
und in den hellen zimmern
die blumen die im fenster leuchten



Hermann Josef Schmitz