Dienstag, 26. September 2017

Aufschub

an dem morgen
als die lichtlotsen die nebeltücher auflösten
streckten sich die gefallenen blätter noch einmal
mit aller kraft und aller zuversicht
an diesem sonnenmorgen
der gegen alle pläne genügend zeit für sich besaß
pulsierte in den adern dieser blätter ein letzter hauch von leben
und in ihren feinen bahnen trieben sommerworte
an diesem aufgeblühten sonnentag
blieb der verlust des lichtgetriebes
doch einer aus dem großen himmel bat um aufschub
und nahm den stunden noch einmal ihre dunkle schale



Hermann Josef Schmitz


Schräg, verrückt und doch nah am Leben, versponnen, gefährlich und voller Mut - mein erstes und sicher nicht mein letztes Buch von Arto Paasilinna:



Montag, 25. September 2017

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.


Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.


Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.



Hermann Hesse






















Sonntag, 24. September 2017

23092017 // S 01 M // 54:10

windfalter ruhen in den bäumen leise schweben die nebel wie ein dünnes tuch über die geschnittenen wiesen und felder selten taumelt ein blatt vom ast aber eine leise melancholie liegt über der morbiden landschaft aus ursprung und wildheit jenseits der geordneten formen der ernteerträge der umsätze einzig diese wilde vergehende schönheit ordnet sich der jahreszeit von selbst unter lichtfalter ruhen auf den dünnen nebeltüchern und verzehren sich in ihnen luftbeete pflanzen sich neu wiesen atmen durch einen silbermund verschleiert das auge der fernen berge immer ungenauer und gleichzeitig auch weich wechseln die farben ganz in mir selbst schaue ich nah und weit im laufen über die wege blätter wechseln die farben am boden ihre form und ihre schönheit bleiben noch leise folge ich dem rhythmus meiner schritte der weg als vertrautes haus etwas das hält und in der weite ahne ich deinen traum tief unter der atemdecke eine landschaft aus ursprung und wildheit ein traum der nichts sein will ausser sich selbst schattenfalter ruhen am grenzlicht das was eben fern schien erreichen die schritte wasser geht seinen weg gras wächst wird noch einmal geschnitten erfüllt mit seinem geruch die liebe bleibt das versprechen der unsicheren zeit


Hermann Josef Schmitz

Samstag, 23. September 2017

wir gehen durchs leben

wir gehen durch städte
ihre geräusche im rücken
stimmen aus den parks
das herz als seismograph
der erschütterungen
wenn jemand auf halber strecke
verloren geht ohne abschied
wenn wir weinen



Gabriele Pflug

Freitag, 22. September 2017

Das Sommergehäuse ist entwohnt

das sommergehäuse ist entwohnt
von seinen wänden blättert schattenlicht
das sommergehäuse ist entwohnt
in stillen räumen liegen ungesagte worte
ein augenblick ein unbekanntes atmen
das sommergehäuse ist entwohnt
die türen stehen weit ein erstes fenster bricht
die wilden lüfte wuchern und zünden regenfeuer an
und wie ein unbemerkter stein verwittert leise sehnsucht



Hermann Josef Schmitz



Ich wünsche allen die hier lesen, ein Wochenende, an dem sich das Sommergehäuse nochmal bewohnt und die Sehnsucht voller Freude wuchert.

Donnerstag, 21. September 2017

Reue

Die Tugend will nicht immer passen,
im ganzen läßt sie etwas kalt
und daß man eine unterlassen,
vergißt man bald.


Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
der von vergangnen Zeiten träumt,
an die Gelegenheit zum Laster,
die er versäumt.



Wilhelm Busch

Mittwoch, 20. September 2017

Über die Zeit hinaus

wortreihen und die stille als weites leben in dem sich wortreihen entzünden wie feuer und der schwung der stimme die sich in die räume legt an schiffen und flüssen vorbei und eine sehnsucht weckt eine reine sehnsucht wie einen traum aus wildem gras und dazwischen entnommenes holz und zurückgebliebenes das im vergehen neu gewachsen ist helle fenster und große wolkengehäuse am hang der berge die schauen zwischen dem dunkler werdenden grün hier bin ich mitten in einem neuen ort mit dir vertraut und bewohnt ist mein herz von der fülle deiner liebe und wir sitzen und atmen die worte und sie zeichnen die bilder neu und wir schauen wie das licht sich verändert die schiffe ziehen und ein engel wartet bis es dunkel wird und hören zwischen die zeilen schauen die muster auf dem rücken kleiner und großer welten das licht spiegelt sich durch die fenster wirft schatten sammelt sich in spiegeln in augen und das staunen über solch eine fülle von farben worten feuern und der liebe zum leben nährt die stunden über die zeit hinaus


Hermann Josef Schmitz



Wie versprochen Teil II der Bilder und der durch diese wunderbare Veranstaltung inspirierte Text.